
Collection Research
Als zentrale Einrichtung zur Bewahrung des kulturellen Erbes eröffnet die Bibliothek den Zugang zu historischen Quellen, arbeitet in Projekten mit und unterstützt mit Partnern aus Wissenschaft und Kultur die Erforschung, Erschließung und Vermittlung ihrer Sammlungen.
Erschließung
Die Erschließung ihrer Bestände ist eine zentrale Aufgabe von Bibliotheken im Bereich des kulturellen Erbes. Sie schafft die Grundlage für Forschung, Vermittlung und Digitalisierung und trägt wesentlich zur Sichtbarkeit ihrer Sammlungen bei. Die SUB Göttingen katalogisiert ihre Bestände nach etablierten bibliothekarischen und wissenschaftlichen Standards, darunter Resource Description and Access (RDA) für Alte Drucke und die DFG-Richtlinien Handschriftenkatalogisierung.
Ziel ist eine dem Objekt angemessene, aussagekräftige Beschreibung durch strukturierte Metadaten, die die Auffindbarkeit in Katalogen oder Datenbanken gewährleisten. Die Verwendung international anerkannter Metadatenstandards, Ontologien, kontrollierter Vokabulare sowie Normdaten auf Grundlage der Gemeinsamen Normdatei (GND) ermöglichen den Datenaustausch zwischen Institutionen und Systemen und fördern die wissenschaftliche Nachnutzung.
Die Erschließung historischer Bestände erfolgt in der Abteilung Spezialsammlungen und Bestandserhaltung. Die Ergebnisse fließen in lokale und überregionale Katalogsysteme ein und werden in nationalen und internationalen Datenbanken und Nachweissystemen wie dem Handschriftenportal, Kalliope oder Qalamos veröffentlicht.
Provenienzforschung

Fragen zur Herkunft und zu früheren Besitzverhältnissen von Bibliotheksbeständen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die NS-Raubgutforschung, die Rekonstruktion von Gelehrtenbibliotheken sowie die Identifikation von Provenienzmerkmalen sind nur einige Bereiche, in denen sich die SUB Göttingen engagiert.
Zwischen 2009 und 2011 wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts sämtliche Zugangsbücher der Jahre 1933 bis 1950 auf NS-Raubgut hin untersucht. Bestätigte Funde und Verdachtsfälle wurden im Göttinger Universitätskatalog (GUK) gekennzeichnet.
Die Bibliothek betreibt Provenienzforschung auch jenseits der NS-Zeit. Sie verfolgt dabei zwei methodische Ansätze: zum einen die objektbezogene Ermittlung von Vorbesitzer*innen anhand von Provenienzmerkmalen und weiteren Quellen wie alten Katalogen oder der Archivüberlieferung. Zum anderen werden die historischen Zugangsbücher der Bibliothek, die sogenannten Manuale, systematisch dahingehend ausgewertet, aus welchen Quellen die Bestände erworben wurden.
Die Ergebnisse dieser Recherchen werden in den Katalogbeschreibungen der Exemplare dokumentiert. Die SUB Göttingen orientiert sich bei der Erfassung von Provenienzen und Provenienzmerkmalen an den einschlägigen Handreichungen und Empfehlungen zur Provenienzverzeichnung.
Wissensgeschichte
Die SUB Göttingen unterstützt in vielfältiger Weise die Erforschung der Göttinger Wissens- und Wissenschaftsgeschichte sowie der universitären Sammlungen. Das Universitätsarchiv und das Bibliotheksarchiv bewahren wichtige Quellen zur Geschichte der Universität und ihrer Bibliothek. Wir beraten Forschende und Studierende bei ihrer Arbeit mit diesen Beständen.
Im Rahmen drittmittelgeförderter Projekte kooperiert die SUB Göttingen mit unterschiedlichen Partnern – darunter die Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, universitäre Lehrstühle und Institute sowie weitere Forschungseinrichtungen. Sie beteiligt sich weiterhin an Förderprogrammen für kulturbewahrende Einrichtungen, um historische Materialien zu erschließen, digitalisieren und in Ausstellungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Netzwerke
Die SUB Göttingen ist aktiv in vielfältige universitäre und außeruniversitäre Netzwerke zur Sammlungsforschung eingebunden. Die Vertreter*innen und Kustod*innen der universitären Sammlungen stehen in regelmäßigem Austausch, um gemeinsam Strategien für die Vermittlung, Nutzung und den Erhalt der universitären Sammlungen zu entwickeln. Eine wichtige Rolle übernimmt dabei die Zentrale Kustodie, die diese Zusammenarbeit koordiniert.
Zudem beteiligt sich die SUB Göttingen an diversen bibliothekarischen und wissenschaftlichen Netzwerken und Verbünden – darunter die Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SSD), der Arbeitsgemeinschaft Alte Drucke (AG Alte Drucke), die Initiative NI-LastCopies sowie weitere Initiativen zur Vernetzung und Sichtbarmachung historischer Bestände.