
Forschungsinfrastrukturen
Virtuelle Forschungsumgebungen und Software-Services ermöglichen eine integrierte Arbeitsumgebung für Datenerhebung, -analyse und -publikation. Die SUB bietet hier ein breites Spektrum von Basisdiensten bis hin zum Anschluss an die aktuelle Forschung.
Aufbau von Forschungsinfrastrukturen
Beim Aufbau von Forschungsinfrastrukturen stehen mehrere Herausforderungen im Mittelpunkt:
- Interoperabilität und Standards: Damit Daten über Disziplin- und Systemgrenzen hinweg nutzbar sind, müssen Datenformate, Metadatenstandards und Schnittstellen abgestimmt sein.
- Skalierbarkeit und Performance: Forschungsdatenmengen wachsen rasant – Infrastrukturen müssen technisch so robust sein, dass sie große Datenvolumina effizient speichern, verarbeiten und bereitstellen können.
- Nachhaltigkeit & Langzeitverfügbarkeit: Digitale Objekte müssen auch über Jahre oder Jahrzehnte hinaus zugänglich bleiben – das erfordert organisatorische, finanzielle und technologische Strategien zur Langzeitarchivierung.
- Rechtliche und ethische Rahmenbedingungen: Datenschutz, Urheberrecht, Zugriffsregeln und Lizenzmodelle müssen berücksichtigt sowie transparente Policies und Governance-Strukturen etabliert werden.
- Nutzerorientierung und Adoption: Forschende müssen motiviert sein, Werkzeuge und Dienste in ihren Arbeitsalltag zu integrieren – das heißt Schulung, Beratung und ein nutzerfreundliches Design sind essenziell.
Welche Vorteile haben Forschende davon?
- Effizienzsteigerung: Durch zentralisierte Dienste entfällt der Aufwand, eigene Lösungen zu entwickeln oder zu warten – Forschende können sich stärker auf ihre Kernarbeit konzentrieren.
- Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit: Gut verwaltete und dokumentierte Datenströme fördern Transparenz und Reproduzierbarkeit von Forschungsarbeiten.
- Erhöhte Sichtbarkeit und Vernetzung: Daten können über nationale oder internationale Infrastrukturen geteilt und vernetzt werden, was Kooperationen erleichtert und Sichtbarkeit erhöht.
- Sicherstellung der Datenintegrität: Mit professionellen Archiv- und Backup-Strategien bleiben Forschungsdaten geschützt und dauerhaft zugänglich – ein Gewinn für langfristige Forschungsvorhaben.
- Förderfähigkeit und Compliance: Viele Förderorganisationen fordern ein ausgefeiltes Datenmanagement und Bereitschaft zu Open Data – mit leistungsfähigen Infrastrukturen wird solche Compliance erleichtert.
Insgesamt positioniert sich die SUB Göttingen nicht nur als klassische Bibliothek, sondern als aktiver Gestalter digitaler Forschungsinfrastrukturen. Sie stellt die technische, organisatorische und beratende Brücke zur modernen datenorientierten Wissenschaft dar und unterstützt Wissenschaftler:innen auf dem Weg zur datenbasierten Forschung von heute und morgen.
Nationale Forschungsdateninfrastrukturen (NFDI)
Im Rahmen der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) beteiligt sich die SUB Göttingen an bundesweiten Konsortien wie beispielsweise Text+, um eine dauerhaft zugängliche und vernetzte Datenlandschaft für die deutsche Wissenschaft aufzubauen. Hier geht es darum, fächerübergreifende Standards für Datenformate, Metadaten und Schnittstellen zu entwickeln, die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Disziplinen zu stärken und den nachhaltigen Zugang zu Forschungsdaten zu sichern. Forschende profitieren von klar geregelten, verlässlichen Services, die den gesamten Lebenszyklus ihrer Daten – von der Erhebung bis zur Publikation und Langzeitarchivierung – abdecken.
Fachspezifische Infrastrukturen für Digitale Geisteswissenschaften (DH-Infrastrukturen)
Für die Digital Humanities entstehen an der SUB Göttingen virtuelle Forschungsumgebungen (VREs), Datenplattformen und Tools, die die digitale Arbeit an Texten, Bildern, historischen Quellen oder audiovisuellen Materialien unterstützen. Dazu gehören Werkzeuge für digitale Editionen, Textanalyse und Annotation sowie Dienste für die langfristige Bereitstellung und Verknüpfung dieser Daten über Linked-Data-Technologien. Diese Infrastrukturen erleichtern es Geisteswissenschaftler:innen, komplexe Forschungsdaten zu erschließen, neue computergestützte Methoden zu erproben und ihre Ergebnisse offen zugänglich zu machen.
Forschungsdatenservices in Sonderforschungsbereichen (SFB/INF-Projekte)
In vielen Sonderforschungsbereichen der Universität Göttingen richtet die SUB INF-Projekte ein – maßgeschneiderte Infrastrukturmodule, die speziell auf die jeweiligen Forschungsvorhaben zugeschnitten sind. Hier werden individuelle Lösungen für Datenmanagement, Archivierung und Workflows entwickelt, die die besonderen fachlichen Anforderungen der beteiligten Disziplinen abbilden. Forschende erhalten dadurch eine enge, projektnahe Unterstützung, die den Umgang mit Forschungsdaten von Anfang an strukturiert und die spätere Nachnutzung erleichtert.
Institutionelle und universitätsweite Forschungsinfrastrukturen
Neben den großen nationalen und projektbezogenen Initiativen betreibt die SUB Göttingen auch universitätsweite Services, die allen Forschenden der Universität offenstehen. Dazu zählen Repositorien und Publikationsplattformen, Beratungsangebote zum Forschungsdatenmanagement, Lösungen für Langzeitarchivierung sowie Services für Open Access. Diese Angebote stellen sicher, dass auch kleinere Forschungsprojekte oder einzelne Arbeitsgruppen ihre Daten nachhaltig sichern, veröffentlichen und die Vorgaben von Förderinstitutionen erfüllen können – ohne eigene technische Infrastruktur aufbauen zu müssen.
Internationale Kooperationen und europäische Infrastrukturen
Die SUB wirkt auch an europäischen und internationalen Initiativen mit. Ziel ist es, die nationalen Forschungsdatenangebote in einen größeren internationalen Rahmen einzubetten und den weltweiten Austausch von Forschungsdaten zu fördern. Durch diese Vernetzung profitieren Forschende von global einheitlichen Standards, können ihre Daten international sichtbar machen und leichter an grenzüberschreitenden Projekten teilnehmen.
Querschnittsthemen
Alle diese Infrastrukturprojekte sind auf zentrale Querschnittsthemen angewiesen: Eine zuverlässige Langzeitarchivierung mit dauerhaften Identifikatoren wie DOIs, die Beachtung von rechtlichen und ethischen Fragen und ein kontinuierliches Community-Building durch Schulungen und Workshops. Diese begleitenden Maßnahmen stellen sicher, dass die aufgebauten Infrastrukturen nicht nur technisch funktionieren, sondern auch von der Wissenschaftsgemeinschaft aktiv genutzt und weiterentwickelt werden.